Frühgeborenenprävention
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Prävention von Entwicklungsstörungen bei Frühgeborenen

Frühgeborene Kinder haben es von Geburt an schwerer, als Neunmonats-Kinder. Die frühgeborenen Kinder sind sowohl körperlich als auch physisch? größeren? Risiken ausgesetzt als „Normal-Geborene“. Die Kinder sind u.U. körperlich beeinträchtigt oder überempfindlich. Die Eltern sind verunsichert, sie haben Angst etwas falsch zu machen oder ihrem Kind zu verletzen.
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Um diesem verunsicherten Eltern zu helfen mit ihrem Frühchen besser umgehen zu können, haben wir einige hilfreichen Tipps zusammengestellt.

Frühgeborene: Definition und Prognose

Man geht davon aus das? etwa 4 - 9 % aller Geburten Frühgeborene sind.

Was bedeutet „normal geboren“???Was bedeutet „zu früh geboren“???
260 – 293 Tage schwanger? weniger als 259 Tage schwanger
Geburt in der 37. – 41. SSWGeburt vor der 37 SSW
Gewicht mehr als 2500gGewicht weniger als 2500g


Die Ursachen für die Frühgeburt können sein:

  • die Sauerstoff- und/oder Nährversorgung ist unzureichend
  • die Platzverhältnisse sind zu eng
  • die hormonelle Homöostase ist gestört
  • die Gebärmutter enthält zu wenig oder zu viel Fruchtwasser
  • Infektionskrankheiten (Gebärmutter, Fötus)
  • Trauma
  • fetale Missbildungen oder andere Erbkrankheiten


Ursachen für Funktionsstörungen

Weil die Lunge noch nicht ausgereift ist tritt bei Frühgeborenen? oft die „Unreife der Atmung“ auf. Die „Unreife der Motorik“ wird häufig? bei Kindern festgestellt die vor der 30. SSW geboren wurden. Bei diesen Kindern gibt es oft den sehr unregelmäßigen Schlaf-/Wachzustand. Die Saug- und Schluckfähigkeit ist nicht richtig ausgeprägt. Werden in den ersten 3 Wochen nach der Geburt noch motorische Störungen festgestellt, so kann man zu mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass am Ende des ersten Lebensjahres noch Entwicklungsstörungen vorhanden sind.
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Zeigt das Frühgeborene nach 3 Wochen ein weitgehend normales Bewegungsmuster, so geht man davon aus, dass das Kind nach einem Lebensjahr einem gesunden Neugeborenen? weitestgehend entspricht.
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Durch den Mangel an Glykogen- und Fettsäuren bei einem Frühgeborenen kommt es häufig zu einem „labilen Wärmehaushalt“. Das Kind besitzt die mangelhafte Fähigkeit Wärme zu halten und zu produzieren.
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Durch die „Unreife des Nervensystems“ kommt es zu einer gestörten Darmtätigkeit. Die Fragilität der Blutgefäße (fragil = zerbrechlich,? zart) führt zu einer besonderen Anfälligkeit und zur Änderung des Blutdrucks. Die Änderung macht sich durch Hirn- und/oder Lungenblutungen erkennbar. Ein niedriges Geburtsgewicht ist ein zusätzliches Risiko. Bei Frühgeborenen ist das Risiko doppelt so hoch als bei Normalgeborenen. Liegt das Geburtsgewicht unter 1000g so ist das Risiko von Blutungen sogar 3-4-mal so hoch. Bei Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1000g besteht das Risiko zur Herzinsuffizienz? (Insuffizienz = mangelhafte Funktion, mangelhafte Funktion des Herzens).
Ob das Frühgeborene auf Grund der eben genannten Funktionsstörungen beeinträchtigt ist, lässt sich nur nach genauer medizinischer Untersuchung feststellen.
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„Mini-Touch“ bzw. „Mini-Handling“
Bei der Behandlung von Frühgeborenen, beispielsweise bei der Beatmung direkt nach der Geburt, spielen viele Faktoren, die eigentlich als unwichtig erscheinen, eine große Rolle. Wie z. B.
Störfaktoren im Raum
Das Neugeborene wird in einem großen, lichtüberfluteten Raum mit vielen Patienten? behandelt, die Ärzte reden, das Telefon klingelt. So hat das Kind keine Chance auf einen reellen Tag-Nacht-Rhythmus.
Unruhe auf der Station
Plötzlich laute Geräusche irritieren das Neugeborene. Es wird aus dem Schlaf geweckt und reagiert mit motorischer Unruhe wie schreien oder zucken. Des Weiteren wird das Kind durch Blutabnahmen, Röntgen, Absaugen, Füttern, Krankengymnastik usw. irritiert.
Aspekte zum Tagesablauf
? Studien zeigen, dass ein Kind in der Wiege 5-mal pro Stunde gestört wird. Am Besten wäre es die Neugeborenen nur minimal zu stören. „Mini-Touch“ bedeutet, leises sprechen, abgedunkeltes Licht und Geräusche auf das Notwendigste zu reduzieren. Irritierende Aktivitäten wie Untersuchungen und Blutabnahmen werden am besten auf Zeiten Wachzeiten? konzentriert, z. B. nach dem Füttern.
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Ideal wäre es wenn die Kinder nur alle drei Stunden gestört werden würden. Auch wenn das Neugeborene zu Hause ist müssen auf Ruhephasen für das Kind geachtet werden.
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Zeichen der Überstimulation
Wenn ein Baby überstimuliert wird zeigt es Symptome der Unruhe. Zum Beispiel unregelmäßige Atmung, Zuckungen und Schreien. Um diesen Stress zu reduzieren liegt das Kind mit dem Gesicht nach unten auf einem Schaffell mit gebeugten Armen und Beinen in der „Frosch-Position“ Es wird umgeben von stützenden Tuchrollen. Wenn es sich dann bewegt, fühlt es einen leichten Widerstand der das Baby zusammenhält.
Alle drei Stunden wird das Kind in die Seitenklage gelegt und wieder mit gerollten Tüchern abgestützt. Nur selten liegt das Kind auf den Rücken.
Zur Bindung zwischen Mutter und Kind eignet sich die „Kängurooing“? Um dabei eine Überstimulation zu vermeiden wird mit dem Kängurooing nicht in den ersten Wochen nach der Geburt begonnen.
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Stabilität:? ? Wichtig dabei ist das die Vitalparameter stabil sind.
Training:? Die Kängurooing-Methode nur durchführen, wenn das Kind wach ist.
Monitorring:? ? Es sollte die gleiche Überwachung des Kindes wie im Inkubator vorliegen
(Z. B. bei der notwendigen Sauerstoffüberwachung)
Temperatur:? Es sollten warme Tücher benutzt werden, und das Kind sollte abgedeckt werden damit es nicht auskühlt.
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Grundlagen für eine Förderung von Frühgeborenen auf der Intensivstation aus Sicht? der Physiotherapie
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„Mini-Handling“ gegen Unsicherheit der Eltern
Eltern, egal ob jung oder alt, sind meistens unsicher im Umgang mit Ihrem Frühchen. Deshalb ist es direkt nach der Geburt sehr hilfreich wenn den Eltern erfahrenes Personal zu Seite steht.
Signale der Frühgeborenen
Die Kleinen schreien. Hat das Baby Hunger, oder möchte es auf den Arm genommen werden, oder möchte das Kind in Ruhe gelassen werden? Diese Zeichen zu verstehen und richtig zu deuten bedarf Ruhe und nach und nach immer mehr Erfahrung.
Harmonie der Entwicklungsförderung
Bei einem Neugeborenen ist es sehr wichtig eine harmonische Entwicklung der Persönlichkeit und der körperlichen Funktionen zu erreichen. Dies gelingt nur dann gut wenn eine gute Beziehung zwischen dem Kind und dessen Eltern besteht. Das Wichtigste für das Kind ist, wenn sich die Eltern an ihrem Kind erfreuen können. Natürlich kann man die Erforderlichkeit der Krankengymnastik nicht ausschließen. Kinder zeigen häufig den Ehrgeiz besser zu werden, wenn sie vorher Erfolgserlebnisse hatten. Diese Erfolge stellen sich oft nach einer Therapiepause ein. Wurden in der Behandlung Ziele nicht erreicht, bedeutet dies nicht, das es gar nicht mehr klappt. Man geht davon aus, dass die Entwicklung des Kindes durch Sinneseindrücke beeinflusst wird. Das Kind hat im Mutterleib einen langen Lernprozess durchgemacht. Es hat viele sensomotorische Fähigkeiten entwickelt.
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These zur Entwicklung des Frühgeborenen
Die pränatale (pränatal = vor der Geburt)? Entwicklung der Sinneswahrnehmung darf postnatal (postnatal = nach der Geburt) nicht unterbrochen werden, weil sonst die Entwicklung des Nervensystems unterbrochen bzw. gebremst wird.?
Sinneseindrücke haben, wenn sie in der richtigen Weise und Menge auf das Kind einwirken, eine stimulierende (= anregend, anspornend, bewegende) Wirkung auf die Entwicklung des Nervensystems. Ein Zuviel oder Zuwenig kann der Grund für Entwicklungsstörungen bzw. Verzögerungen der Entwicklung eines Frühgeborenen sein. Dies ist die grundlegende Idee für das „Mini-Handling“.
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Mutter-Kind bzw. Mutter/Vater-Kind–Beziehung und Interaktion (Interaktion = Wechselbeziehungen zwischen Personen bzw. Gruppen)
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Bezugsperson – die Eltern
An erster Stelle, als Bezugsperson, stehen die Eltern. Auch wenn es für sie vielleicht schwierig ist mit der neuen Situation umzugehen. Das komplette Krankenhauspersonal bemüht sich stets darum das die Eltern immer willkommen sind.
Es geht darum das die Eltern zu ihrem Kind eine Beziehung aufbauen. Auch wenn das Kind? zerbrechlich und durch die frühe Geburt vielleicht fremd erscheint.
Hilfen für die Eltern
Dadurch das die Ärzte und das Personal mit dem Kind sanft umgehen, es berühren und mit ihm sprechen, sollen die Eltern eine positive Beziehung zu Ihrem Kind aufbauen. Wichtig dabei ist es den Eltern die richtige Lagerung ihres Kindes zu zeigen.
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Beziehung aufbauen – Interaktion anbahnen für die psychosoziale Entwicklung
Frühchen zu Stillen ist der beste Aufbau einer Mutter-Kind-Beziehung.
Berührungen und Ansprache sind wichtig.
Liebevoller Umgang durch die betreuende Person durch Blickkontakt? und? Zuwendung
Zwillinge und Mehrlingsgeburten: diese Kinder fühlen sich wohler bei Nähe. Sie liegen zusammen uns spüren den Zwilling/Mehrling neben sich
Beim zusammen liegen/sitzen wird Geborgenheit in der Familie aufgebaut
Körpernahes Tragen des Kindes gibt Halt und Geborgenheit
Hand hinterm Kopf und unterm Po ist Hilfe für das Kind sich gegen die Schwerkraft zu halten


Über Berührungen

Akzeptanz (= Annahme) zwischen Mutter und Kind
Die Zustimmung die das Kind direkt nach der Geburt von der Mutter erfährt, erfolgt durch den ersten Haut/Körperkontakt, durch erste Berührungen. Die Zustimmung die die Mutter direkt nach der Geburt von ihrem Kind erfährt, erfolgt durch das Suchen der Brust.

Wichtigkeit des Hautkontakts
Wenn die Versorgung des Frühchens im Inkubator erforderlich ist, besteht nicht die Möglichkeit das Kind an die Brust anzulegen. Dieses Defizit kann man durch viele Berührungen ausgleichen.

Zuneigung der Eltern fördern
Meistens sind die Eltern erst gehemmt ihr Neugeborenes im Inkubator zu berühren. Doch nach den ersten Berührungen verschwindet diese Angst oft schneller als geglaubt. Durch z. B. streicheln des Köpfchen oder der Hände stellt sich schnell eine beruhigende Zufriedenheit sowohl bei den Eltern als auch bei dem Kind ein.

Aktivierung des Kindes durch Berührungen
Man kann durch Berührungen das Kind auch aktivieren. Doch dafür gibt es bei Frühgeborenen kaum Anzeichen. Sie brauchen nach der Geburt vor Allem Ruhe.

Ruhebedürfnis des Kindes beachten
Durch Berührungen kann das Kind irritiert werden. Man sollte ruhig und behutsam sprechen. Es ist gut wenn man darauf achtet, dass man wärme Hände hat, wenn man das Kind Im Inkubator berühren möchte.
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Bewegung in der Gebärmutter
In der ersten Hälfte der Schwangerschaft hat der Fötus viel Platz sich zu bewegen, vielleicht am Daumen zu lutschen und sich im Fruchtwasser zu drehen. Aber in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft wird es für das Kind eng. Es kann sich nicht mehr so bewegen. Es erfährt durch diese Enge, in den letzten 6 Wochen der Schwangerschaft, Geborgenheit.
Ein Frühgeborenes erlebt diese Geborgenheit und diesen Halt im Mutterleib nicht. Durch diesen Defizit hat das Frühchen Nachholbedarf nach Ruhe, Halt, Sicherheit und Geborgenheit. Um diesem Bedürfnis des Frühchens gerecht zu werden ist besondere Aufmerksamkeit dabei für die Lagerung des Kindes wichtig.
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Es gibt verschiedene Formen der Lagerung

  • im Inkubator
  • im Frühgeborenenbett
  • in der „Frühchenwolke“
  • in der Hängematte
  • im „Lullababy“
  • bei der Mutter auf der Brust
  • auf dem Schoß der Mutter
  • bei der Stimulation
  • bei der Trinkförderung


Voraussetzungen für eine optimale Entwicklung
Einerseits ist Ruhe eine wichtige Vorraussetzung andererseits ist die Stimulation zur richtigen Zeit wichtig.

Gleichgewicht schaffen durch Lagerung
Unterstützen des Kindes durch Kissen und /oder Tücher.

Grundsätze zur Lagerung im Inkubator
Rückenlage

  • gleichförmige Abstützung des Körpers und der Schultern bezogen auf die Körperlängsachse
  • Schultern, Becken und Hüften sollten leichte Begrenzungen angeboten werden
  • Köpfchen unterstützen (keine seitliche Überdehnung!!!)
  • Beugung der Arme und Beine in Embryomalhaltung ermöglichen


Bauchlage

  • besondere Hüftunterstützung
  • Erhöhung des Beckens
  • Hüftbeugung über 90º mit Gewichtsübernahme durch den Knien

Seitenlage

  • Abstützung des Rückens
  • Abstützung des Kopfes

Lagerungsmaterialien

  • gerollte Tücher oder Decken
  • Schaumstoff-Einlagen
  • Corpomed- Einlagen
  • Corpomed- Frühchenwolke für Inkubatoren
  • schwedische Inkubatorwiege
  • usw.?

Indianerwickeln
Bei der Lagerung muss darauf geachtet werden, dass die freie Atmung möglich ist. Im Frühgeborenenbett sind die Regeln anders als beim Inkubator. Das Kind wird in eine Decke in Embryomalhaltung eingewickelt. Diese Form der Lagerung heißt Indianderwickeln.

Atmung

Die Atem-Muskulatur
Die Atmung verläuft bei Frühgeborenen anders als bei Normalgeborenen. Bei den Normalgeborenen ist für die Ruheatmung der wichtigste Muskel das Zwerchfell. Die Hilfsmuskeln ergänzen die Einatmung. Bei Frühgeborenen erschlafft das Zwerchfell durch seine Unreife schneller, so dass die Hilfsmuskeln mehr gefordert sind.
Folgende Handlungen werden mit der Mutter zusammen eingesetzt, um Frühchen mit Atemproblemen zu unterstützen.
? - Stimme der Mutter
? - Hände der Mutter
? - entspannende Ausgangsstellung
? - Verminderung der Reizmenge
? - Atemhilfe? im Sinne der Kontaktatmung
? - wenn nötig leichte Bewegungen in Sinne von „Mini-Rotationen“
? - Lageänderung
? - „Kängurooing“
? - Einspielen des mütterlichen Herztons über ein Tonbandgerät

Kängurooing

Körperkontakt mit der Mutter wird gefördert
So wie ein Känguruh sein Baby vor dem Bauch trägt, so kann eine Mutter ihr Baby mit einem Tuch vor der Brust tragen. So sind der Blickkontakt und die Berührungen mit den Händen ständig möglich.

Beginn mit Kängurooing
Sowohl das Kind als auch die Mutter müssen vital stabil sein. So erhält das Frühchen folgende Möglichkeiten:
das Gefühl der Nähe

  • schon früh Interaktionen zu empfinden
  • Berührungen und Hautkontakt zu erleben
  • leichte Stimulation zu erfahren (sehen, hören, riechen, fühlen)
  • Gefühl von Schutz und Halt
  • optimale Lagerung
  • optimale Trinkförderung

Es ist die beste Möglichkeit, den Kontakt zur Mutter bzw. zum Vater herzustellen!?

Mini-Handling

Rücksicht auf Reife des Gehirns
In den Zeiten direkt nach der Geburt sind lange Ruhephasen sehr, sehr wichtig für die weitere Entwicklung des Kindes. Ansonsten kann es bei dem Kind zu Konzentrationsstörungen,? psychomotorische Unruhe bzw. Ruhelosigkeit kommen.
Stress und Hektik liegt in der Luft
Sieht man sich auf einer Frühgeborenen-Intensivstation um, dann weiß man wie hektisches es dort manchmal zugeht.
Reizreduktion im Tagesablauf
Dieser Stress in der Umgebung des Kindes führt schnell zu einer Überforderung. Um diese Reizüberflutung zu reduzieren ist Folgendes? wichtig:

  • Reduktion von Deckenlicht, Stimmen, Alarm und anderen Geräuschen auf das Notwendige
  • Abdecken der Inkubatoren mit Decken, um Licht- und Lärm für die Frühgeborenen weiter zu reduzieren
  • störende Aktivitäten wie Untersuchungen, Blutabnahmen, oder ähnliches auf die Zeiten vor dem Füttern des Kindes zu legen? wenn das Kind wach ist.
  • korrekte Lagerung. einfühlsames „Handling“, keine routinemäßige Krankengymnastik
  • keine sonstigen Aktivitäten, z. B. Streicheln, Kängurooing, Trinkförderung o. ä. wenn das Baby Ruhe braucht

Reaktion des Kindes auf Reizüberflutung
Wird das Frühchen überreizt,? so zeigt es Stress-Symptome wie z. B. schreien, unregelmäßige Atmung, Unruhe oder Zuckungen. Deshalb ist es sehr wichtig, wenn Eltern den richtigen Umgang mit ihrem Kind lernen. Wenn das Kind Ruhe braucht, dann braucht es eben Ruhe. Dann sind auch lieb gemeinte Streicheleinheiten zum falschen Zeitpunkt eher schädlich als nützlich.
Regeln für Minimierung der Gesamtreizsumme
Die Griffe des Handling sind sowohl bei Normalgeborenen als auch bei Frühgeborenen gleich. Beim Anheben des Kindes immer den Kopf mit einer Hand unterstützen. Das Kind kennt den Geruch der Mutter genau, es weiß von welchen Händen es gerade gehalten wird. Das Kind kennt sowohl den Geruch als auch die Stimme der Mutter.
Zur Förderung der Körperwahrnehmung? des Kindes ist das Wiegen auf dem Schoß und das Spielen auf den Armen oder auf den angewinkelten Knien besonders wichtig. Das Kängurooing auf der Brust ist ebenfalls sehr förderlich für das Kind.
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Anheben des Kindes
Wird das Baby aus der Rückenlage aufgenommen dann können „Schienen“ dem Kind großflächig Halt geben.
Wird das Baby vom Rücken auf die Seitenlage gedreht, dann macht man dies über die Rotation des Schultergürtels (Schlüsselpunkte).
Das Kind mit möglichst großflächigem Halt auf den Arm legen. Man gibt mit seinen Händen und Armen dem Kind? Halt, wenn man es an die Schulter legt.
Hält man das Kind in der Armbeuge, so trägt man es in der Beugehaltung
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Anziehen des Kindes
Das Baby wird ausgezogen und dazu gedreht (RL-SL-RL)
Zuerst das Kind auf die Seite drehen, dann Ärmel und Hosenbein zur Mitte ziehen. Nun wieder zur Mitte drehen, dann den Pullover und danach das Hemdchen ausziehen. Zuletzt das Kind zur anderen Seite drehen und die Windel ausziehen. Wenn es wieder auf den Rücken gedreht ist, gibt es eine neue Windel.

Trinkförderung

Koordination von Atmung-Saugen-Schlucken
Saugen und Schlucken funktionieren bei Frühchen noch nicht zusammen mit der Atmung. Dieses wird mit der Trinkförderung geschult.
Am Besten ist es dabei das Kind in der Känguruh-Lagerung zu halten. Durch die regelmäßige Atmung der Mutter wird die Koordination von Saugen-Schlucken-Atmung beim Kind gefördert.
Für die regelmäßige Atmung des Kindes sind folgende Voraussetzungen wichtig:

  • die richtige Ausgangsstellung,
  • korrektes Lagern,
  • vorsichtige, ruhige vestibuläre Stimulation im Sinne von kleinen Bewegungen, um die Atmung zu harmonisieren und zu vertiefen.

Den Saugreflex kann man fördern in dem man das Kind an den Händen oder Fingern der z. B. Mutter,? lutschen lässt. Am Besten liegt es dabei in der Embryonenhaltung, in Bauchlage oder auf der Brust der Mutter. Wenn es auf der Brust liegt erlernt es am schnellsten den Such- und Saugreflex.

Hygiene der Bezugsperson
Hygiene ist sehr wichtig. Es musst unbedingt darauf geachtet werden das die Hände frisch gewaschen und sauber sind. Die Kinder verfügen schließlich noch nicht über genügend Abwehrstoffe.

Stimulation des Trinkens
Die Mutter setzt sich auf einen Sessel, stellt die Füße auf einen Hocker, so dass das Kind stabil liegt und die Mutter beide Hände frei hat. Durch leichte Schaukelbewegungen nach links und rechts wird das Kind leicht stimuliert, so dass man nun die Flasche anbieten kann.

Geduld bei der Trinkförderung
Es bedarf viel Geduld und Ruhe bei der Trinkförderung. Oft gibt es lange Trinkpausen und das Kind ist weniger aktiv bei der Nahrungsaufnahme als ein Normalgeborenes.

Wunsch der Mutter zu stillen
Viele Mütter haben den Wunsch zu stillen. Nur ist es bei einem Frühchen nicht immer einfach. Man braucht viel Geduld und Einfühlvermögen. Oft ist es für das Baby einfacher, Atmung, Saugen und Schlucken bei der Brustfütterung aufeinander abzustimmen als bei der Flaschenfütterung. Doch es ist manchmal nicht möglich zu stillen. In dieser nicht immer einfachen Situation sollte man weder das Kind noch sich selbst als Mutter überfordern.
Viel wichtiger als das Funktionieren des Stillens ist eine stabile Beziehung zwischen Mutter und Kind.

Notwendigkeit der vorsichtigen und geduldigen Übung
Die Trinkproblematik von Frühchen ist durch dessen Unreife verursacht und kann nur durch vorsichtige und geduldige Übung überwunden werden.

Hand- und Mundmotorik? -? Hand- und Mundkoordination
Daumenlutschen – Saugen
Koordination von Saugen/Atmen/Schlucken

Körperwahrnehmung/Frühgeborenen-Massage/Basale Stimulation

Nachfolgendes ist für Eltern von Frühgeborenen wichtig, damit die Kinder die Körperwahrnehmung erlernen. Schließlich fehlt den Frühgeborenen die Enge und Geborgenheit im Mutterleib. Diese Phase der Schwangerschaft ist aber wichtig für die sensomotorische Entwicklung jedes Kindes.

Maßnahmen zur Unterstützung der Entwicklung einer guten Körperwahrnehmung

Indianerwickeln für guten Schlaf
Festes einwickeln des Kindes in Decken oder Tüchern, damit das Kind geborgen in einer guten Lagerung liegen kann. Sein Körper spürt Druck und Halt. Besonders eignet sich das Indianerwickeln zum Füttern und Schlafen.

Ein Stück Uterus: Der Kokonsack
Ein selbst geschneiderter Sack aus weicher Baumwolle wird dem Kind angezogen. Ähnlich wie beim „Känguruh“ in Embryonenhaltung.

Babymassage: Propriozeption durch Massage

Das bedeutet eine modifizierte Massage im Sinne eines propriozeptiven Drucks auf die großen Gelenke; Füße, Hände, Schultern, Becken und am Kopf? .
Wegen der Gefahr der Reizüberflutung wird bei der Frühchen-Massage Brust, Bauch, Rücken und das Gesicht nicht massiert, anders bei einem Normalgeborenen, dort werden auch die zu letzt genannten Körperteile großflächig mitmassiert.

Ziel dieser Massage
Ziel ist es dem Kind durch die Massage ein Gefühl für seinen Körper zu geben.? Diese Berührungen sind auch wichtig für die Ich-Du Beziehungen des Kindes.
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Zitat von Leboyer:
Berührt, gestreichelt uns massiert zu werden, das ist Nahrung für das Kind. Nahrung, die genauso wichtig ist wie Mineralien, Vitamine und Proteine. Nahrung die Liebe ist.
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Das Ziel der Betreuung von Frühgeborenen muss sein:
Positive Körperwahrnehmung fördern, negative Körperwahrnehmung vermindern.

Stimulation der Körperwahrnehmung? ?
Die Stimulation (Anreizung) der Körperwahrnehmung fördert die Aktivität und Aufmerksamkeit des Kindes. Die Stimulation kann auch zu einer Verbesserung der vegetativen Funktionen beitragen. Die Reizaufnahme geschieht unter anderem über Rezeptoren (Reizempfängerzellen) der Muskeln, Sehnen und Gelenke. Beispielsweise bei der Babymassage.
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Frühchen-Massage – Basale Stimulation Anwendungen
Beginnen mit behutsamer „Ganzheitlicher Berührung“, Beruhigung - Entspannung – Atemförderung.
Berührungen und leichter Druck geben über die Rezeptoren (Reizempfindungszellen) von Gelenken, Muskeln und Sehnen eine „tiefe Körperwahrnehmung“
Wo kann das Baby sich am besten „ganz“ fühlen – in den Armen der Eltern.

Vestibuläre Förderung/Rhythmik

Beeinflussung des Gleichgewichtssystems
In der frühkindlichen Entwicklung entstehen Reize auf das Gleichgewichtssystem des Kindes durch die Bewegungen der Mutter.
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Fehlende Breite im Inkubator
Ein Frühgeborenes liegt flach und fest einige Wochen, manchmal Monate im Inkubator ohne jegliche Stimulation. Diesen Kindern fehlt das Gefühl aus dem Mutterleib. Es fehlen den Kind die Alltagssituationen wenn die Mutter sich bewegt, wenn sie läuft, sich dreht oder bückt. Ob sie steht oder liegt. Das Kind hat diese Stimulationen in den letzen Wochen/Monaten der Entwicklung nicht erlebt.
Liegt ein Frühgeborenes lange im Inkubator, dann zeigt es oft Abwehrreaktionen wenn es beispielsweise gedreht wird. Es kennt ja dieses Gefühl nicht.
Um diesen Bewegungsmangel etwas auszugleichen uns den Bewegungsmangel aufzuholen? gibt es für die Eltern folgende Möglichkeiten:

Hilfestellung für die Eltern

  • Das Kind im Inkubator hin und her wiegen
  • Das Halten des Kindes in der Känguruh-Haltung
  • Es werden kleine Hängematten in Inkubator aufgehängt.
  • Das Kind im Schoß oder auf dem Arm schaukeln und bewegen
  • Das Kind in einer Lullababy-Federwiege aufhängen

Belastungsreaktionen des Frühgeborenen
Die Eltern sind oft mit der neuen, schwierigen Situation so überfordert, dass sie gar nicht erkennen wenn sie ihr Kind überfordern. Eigentlich wäre es ja noch geschützt im Mutterleib und nun stürzen so viele Einflüsse auf das Frühgeborene ein. Auf diese Belastungen reagiert das Kind mit:

  • Beugung von Nacken und Rücken
  • seufzen
  • Veränderung der Hautfärbung?
  • Quengeln?
  • Wegdrehen des Kopfes?
  • Erhöhung der Muskelspannung?
  • Schreien?
  • Grimassieren oder angespanntem Gesichtsausdruck?
  • Wegziehen eines Fußes? ?

Zeichen der Unreife

  • Bradykinesen
  • Sauerstoffmangel
  • Apnoen

Quellenangabe:
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Prävention von Entwicklungsstörungen bei Frühgeborenen
Plaum, 1999

 


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